Warum kommt Basel II überhaupt? >1
Die Auswirkungen von Basel II >1
Rating und die Folgen >2
von Paul Fenderl
Wie alles begann...
Um das Kreditrisiko zu minimieren, wurde
im Jahr 1988 von den 10 Mit- gliedern des „Baseler Ausschuss für
Bankenaufsicht“ eine allgemein- gültige
Minimalanforderung für Risikobewertung und Eigenkapital- ausstattung
der Banken beschlossen – Basel I war geboren. Basel I entwickelte
sich zum weltweit akzeptierten Standard der Banken und wird in über
100 Ländern angewandt.
Warum kommt Basel II und was ist das?
Aufgrund der
Tatsache, dass sich die internationalen Finanzsysteme so rasch weiterentwickelt
haben (v.a. in den Bereichen der Finanz- instrumente
und des Risikomanagements) ist Basel I nicht mehr ausreichend. Daher
begannen 1999 die ersten Gespräche und der Erstentwurf für
Konsultationspapiere im Baseler Ausschuss für eine Reform der
Eigenkapitalvereinbarung, deren Ziel es ist, die Mindesthöhe der
Eigenmittelausstattung von Kreditinstituten stärker von der Bonität
der Kreditnehmer abhängig zu machen. Bislang wurden bereits drei
Konsultationsrunden abgehalten, die letzte fand im April 2003 statt.
Es wurde ursprünglich mit der Beschlussfassung des Paketes mit Jahresende
2003 gerechnet, diese Frist ist aber in der Zwischenzeit auf Mitte
2004 verlängert worden. Zur Umsetzung von Basel II wird in der EU eine
Richtlinie erlassen, die
von den Mitgliedstaaten
(Rat der Europäischen Union) und dem Europäischen Parlament
beschlossen wird. Nach Verabschiedung der Richtlinie im Jahr 2005 wird
diese in nationales Recht umgesetzt, so dass Basel II Anfang 2007 endgültig
in Kraft treten wird.
Welche direkten Auswirkungen hat Basel II?
Eine
wesentliche Auswirkung von Basel II wird die Änderung in
der Beziehung zwischen Unternehmer und seiner Hausbank bzw. kredit-
gebende Bank sein. Die Banken werden nämlich zur Ermittlung der
Bonität
des Unternehmens ein Rating durchführen. Hier gibt es entweder
die Möglichkeit, dass das direkt von der Bank (internes Rating)
oder von einer autorisierten externen Rating-Agentur (externes Rating)
vorge- nommen wird. Bei den Ratings wird einer bestimmten Form an Kredit-
würdigkeit
eine bestimmte Note zugeordnet, die auch gleichzeitig Aufschluss über
die vermutete Ausfallswahrscheinlichkeit in einer bestimmten Gruppe
an Unternehmen mit demselben Rating gibt. Dazu dürfen Banken eigene
Verfahren entwickeln, die eine qualifizierte Einschätzung der
Kreditwürdigkeit von Unternehmen zulassen.
Derzeit ist anzunehmen,
dass die Banken diese Gelegenheit nützen
und die internen Ratings stark bevorzugen werden – bei dieser
Variante können die Banken mit den von ihnen erhobenen Daten die
von ihnen entwickelten Verfahren arbeiten und erhoffen sich damit einen
Wettbewerbsvorteil im Kreditgeschäft um Firmenkunden.
Allgemein
gilt, dass es für Unternehmen mit ungünstiger
Bonität (z.B. wenig oder bereits aufgebrauchtes Eigenkapital,
Produkt auf einem übersättigtem Markt ohne Differenzierung
von Konkurrenzprodukten,...) zu einer Verteuerung der Kreditkonditionen
kommen kann. Für Unternehmen mit guter Bonität (z.B. Eigenkapitalausstattung,
gute Positionierung des Unternehmens und dessen Produkte am Markt,...)
wird die Kreditfinanzierung tendenziell günstiger werden.
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