von Ottokar Nimmerreich
Was gehört zu einer Preiskalkulation?
Viele Jungunternehmer begehen den Fehler, die Preise für ihr Produkt oder
ihre Dienstleistung nach Gefühl festzulegen. Dadurch kommen sie in die Situation,
dass (unerwartet) die Ausgaben grösser als die Einnahmen sind.
Ein richtig festgelegter Preis muss drei Kategorien erfüllen:
1. Grundsatz: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.
Der Preis bewirkt ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage. Für ein Angebot,
das nur in geringem Umfang auf dem Markt vorhanden ist und das womöglich
gleichzeitig auf eine starke Nachfrage stösst, ist der Preis hoch (z.B.
Kunstwerke, Mode,..). Umgekehrt gilt: Für ein Angebot, das in grossen
Mengen auf dem Markt verfügbar ist, ist der Preis niedrig, vor allem dann,
wenn die Nachfrage eher verhalten ist (z.B. Auslaufmodelle bei Computer und Elektrogeräten).
2. Kostenpreise: Der Preis soll so hoch sein, dass ein Umsatz
erzielt werden kann, der die Kosten deckt und Gewinn erwirt- schaftet.
Zunächst müssen Sie sich einmal den genauen Preis Ihrer tatsächlich
anfallenden Kosten ausrechnen. Dieser Selbstkostenteil sowie ein zusätzlicher
Gewinn müssen im Preis abgedeckt sein. In der Praxis lassen sich allerdings
Kostenpreise aufgrund der starken Konkurrenz zumeist nicht halten.
3. Marktpreis: Der Preis soll konkurrenzfähig sein.
Beim Marktpreis richtet man seine Preisgestaltung bewusst nach den Preisen der
Konkurrenz. So hat man gute Chancen seine Produkte oder seine Dienstleistungen
gut zu verkaufen. Informationen über die Preise der Konkurrenz kann man
leicht durch das Internet ausfindig machen.
Hassliebe Marktpreis und Kostenpreis
Welche Möglichkeiten hat man, wenn der (betriebswirtschaftlich not- wendige)
Kostenpreis über dem (betriebswirtschaftlich gefährlichen) Marktpreis
liegt? Hier gibt es generell zwei Lösungen:
- a)Anpassung der Zielgruppe:
Welche Kunden würden den Kostenpreis bezahlen? Beispiel: Preise, die
bei öffentlichen Auftraggebern nicht erzielt werden können, lassen
sich ev. bei privaten Kunden durchsetzen.
- b)Reduzierung der Kosten
Womöglich lässt sich der Marktpreis halten, wenn die Kosten reduziert
werden. Wo und wie können Kosten gespart werden?
Aber Achtung! Der letztlich wichtigere Faktor ist der Marktpreis! Er entscheidet
darüber, ob Produkte und Dienstleistungen abgesetzt werden können
oder nicht.
Strategische Preise
Wer kennt sie nicht? Die Super-Angebote, die unter dem Kostenpreis und sogar
unter dem Marktpreis liegen – um den Absatz zu steigern (Beispiel bei einer
Neueröffnung). Doch Absatz allein reicht nicht aus – eine Preissenkung
macht nur dann Sinn, wenn dadurch insgesamt mehr Kunden beim betreffenden Unternehmen
einkaufen. Ziel einer solchen Aktion ist, dass sich der Absatz der anderen Produkte,
deren Preise sich an den Kosten orientieren, erhöht und damit der Gewinn
des Unternehmens insgesamt steigt.
Schwellenpreise
Schwellenpreise stellen eine besondere Form des strategischen Preises dar. Hier
wird ein Preis unter eine psychologische „Schallmauer“ gesenkt, um
dem Kunden eine Kaufentscheidung leichter zu machen, z.B. mit Preisen wie Euro
19,99.
Nachkalkulation
Vergessen Sie nicht Ihre Preise regelmässig anzupassen und zu überprüfen,
ob die tatsächlichen Kosten noch durch den Preis gedeckt werden! Oftmals
werden die langfristigen Kosten wie Steuerberater (Erstellung der Bilanz), Versicherung
für das Geschäftslokal usw. nicht in die Kalkulation miteingenommen.
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