Die Grundprinzipien einer Verhandlung >1
Geschickt formulieren >2
Fair und ruhig bleiben >2
Wiederholen und zusammenfassen >3
Eigentore - die häufigsten
Verhandlungsfehler >3
Gut vorbereitet ist halb
gewonnen >4
von Peter Tikal
"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat
schon verloren", ermuntert Bertolt Brecht. Mut und Kampfgeist
allein führen jedoch oft nicht zum Ziel, wenn Sie Ihren Chef von
Ihren Fähigkeiten überzeugen und zu einer Gehaltserhöhung
bewegen wollen, wenn Sie einen Auftrag an Land ziehen oder mit einem
Lieferanten über Konditionen feilschen sollen...
Überzeugende Argumente allein reichen meist nicht. Wenn Sie ohne Strategie
in eine Verhandlung gehen, haben Sie meist schlechte Karten - vor allem, wenn
Sie auf einen "Gegner" mit ausgefeilter Taktik, psychologischem Gespür
und rhetorischem Geschick treffen. Überlegen Sie sich vorher, wie Sie am
besten argumentieren und auf welche Einwände Sie wie reagieren. Auch mentale
Einstimmung gehört zur gezielten Vorbereitung. Denken Sie sich in Ihr Gegenüber
hinein. Wo liegen seine Interessen? Was sind seine Lieblingsthemen? Worauf reagiert
er gereizt?
Erfolgsgaranten: Aufrichtigkeit, Geduld, Flexibilität
...
"Der Verhandler sollte so biegsam sein wie eine Weide und
so hart wie ein Fels. Er muss schnell und fähig sein, ein guter Zuhörer,
höflich und angenehm. Er sollte sich nicht als gewitzt darstellen,
noch sollte er so streitbar sein, dass er bei seiner Argumentation geheime
Informationen preisgibt. Vor allem muss er genug Selbstbeherrschung besitzen,
um der Versuchung zu widerstehen, schneller zu sprechen, als er seine
Gedanken zu formulieren imstande ist. (...) Der Verhandler muss die Geduld
eines Uhrmachers besitzen und frei von persönlichen Vorurteilen
sein."
Damit beschrieb François de Caillère schon 1716 in "The
Art of Diplomacy", was einen versierten Verhandler ausmacht: Aufrichtigkeit
und Vertrauen statt Böswilligkeit und Betrug. Die gemeinsame Suche
nach den wirklichen Interessen beider Parteien sei das wahre Geheimnis
einer guten Verhandlung, betonte der französische Diplomat - und
wird damit bis heute von Buchautoren und Trainern zitiert.
Die Grundprinzipien einer Verhandlung
1. Das Eis brechen
Egal, ob Gehaltspoker oder Preisverhandlung
mit einem Lieferanten: Fallen Sie nicht mit der Tür ins Besprechungszimmer.
Konfrontieren Sie Ihr Gegenüber nicht sofort mit Argumenten und
Forderungen. Einige persönliche Worte brechen das "Eis",
stellen eine angenehme Atmo- sphäre her. Sprechen Sie jedoch nur
Themen an, für die
Sie sich zumindest ein bisschen interessieren. Ansonsten wirkt es schnell
auf- gesetzt und Ihr Gegenüber fühlt sich verschaukelt. Danach
informieren Sie den oder die anderen, worum es Ihnen geht bzw. welche
Tagesordnung Sie planen. Ihr Geschäftspartner sollte wissen, worauf
Sie hinaus wollen und worauf er sich einstellen muss.
2. Ziele definieren und verfolgen
"Wer nicht weiss, wohin er will, landet meist dort, wo er
nicht hinwollte", sagt das Sprichwort. Gehen Sie mit konkreten
Zielen in die Verhandlung - die sich möglichst in Einzelerfolge
aufteilen lassen.
3. Auf nonverbale Signale achten
Mehr
als die Hälfte der in einem Gespräch aufgenommenen Infor- mationen
vermitteln wirnonverbal, ein Drittel über die Stimme und die Art
des Sprechens. Ein lebhafter, offener Gesichtsausdruck stellt zum Beispiel
eine positive persönliche Beziehung zum Gegenüber her, ein
Poker-Face erzeugt hingegen schnell Misstrauen und Zurückhaltung.
Ein Tipp der Beraterin Regina Zelms: Die eigene Haltung sollte möglichst
ein Spiegelbild des Gegenübers sein. Denn: "Gespräche
sind wie ein Tanz - da passt man sich auch an oder man tritt sich auf
die Füsse."
Eine wirkungsvolle Gesprächsführung besteht nie allein aus
Taktik. "Die inneren Einstellungen schlagen sich immer wieder unbewusst
in Formulierungen, Gestik und Mimik nieder", erklärt Joe Garden.
Wer seinen Gesprächspartner nicht wertschätzt, erzeugt Misstrauen
und Distanz. Wer im Gespräch bejahende Formulierungen und ermunternde
Gesten einsetzt, die den Partner akzeptieren, vermeidet den Kampf um
die Bedeutung der Person. Das schafft ein offenes Klima für eine
Diskussion um die Sache. Der Versuch, seine Mimik einzustudieren, scheitert
jedoch in aller Regel: "Beeinflussen Sie Ihre Mimik nur indirekt,
indem Sie Ihre Einstellung zur Gesprächssituation verändern",
empfiehlt Garden. Nur wer möglichst direkt und authentisch diskutiert,
wirkt überzeugend.
4. Aufmerksamkeit zeigen
Wie signalisieren Sie Ihrem
Gesprächspartner, dass Sie aufmerksam
zuhören und sich für seine Argumente interessieren? Mit leicht
vorwärts geneigter Körperhaltung (anstatt sich zurück
zu lehnen und die Arme zu verschränken), mit Blickkontakt, Kopfnicken,
gelegentlichen kurzen Äusserungen ("hm", "verstehe"...)
zeigen Sie Interesse für das, was Ihr Gegenüber sagt. Greifen
Sie mit Ihrer Antwort gezielt Schlüsselbegriffe aus dem letzten
Satz des anderen auf.
5. Aktives Zuhören
Versuchen Sie, sich auf die Botschaft des
Gesprächspartners zu
konzentrieren. Hören Sie bis zum letzten Wort zu, anstatt nach dem
ersten Satz bereits über den Konter nachzudenken. Fragen Sie nach,
anstatt in die Aussage hineinzuinterpretieren, was Sie zu verstehen glauben.
Wenn Sie wirklich zuhören, lassen Sie den anderen scheinbar den
Gesprächsverlauf bestimmen. Er soll alles sagen, was er sagen will.
So lernen Sie mehr über die Person und ihre Bedürfnisse, Sie
können die Argumente des Gegenübers besser "vorhersehen".
Wechseln Sie also nicht ohne Grund das Thema.
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